So einfach.....

 

….ist es nicht.

Seit vielen Tagen versuche ich meine Gedanken zu ordnen, um endlich eine weltmeister(schaft)liche Nachlese aufs Papier zu bringen. Zwischen Meer - Pool - gutem Essen und „viel zu viel Freizeit“ will ich es nun doch wagen, aber – wie gesagt – so einfach ist es nicht.

Paris ist/war ein Reise wert…so natürlich auch oder gerade deshalb im Juni/Juli 2014 zur Weltmeisterschaft der Sportakrobatik.

Die Fangemeinde nutzte „freie Spitzen“, um in Paris auf Touristenpfaden zu wandeln, vor und während der Wettkämpfe. Besonders angenehm war es, dass wir die Zeit fanden, ein Stück Paris gemeinsam mit unseren Kindern (sorry…SportlerInnen) zu erleben. Die vielen, vielen Fotos mit vorwiegend gestapelt und kopfstehenden jungen Leuten im Vordergrund unterstreichen ohne Worte, dass auch das sportliche Völkchen ein wenig Sightseeing mit uns durchaus genoss.

Gut „verkleidet“ ging der Fanblock am ersten Wettkampftag ins Rennen…so gut, dass die Ordner uns mehrfach dringend in den Mannschaftsblock verwiesen, bis ihnen unser Fan-Status aufging. Unsere T-Shirts zeigten schon mal an, wem wir entschlossen zu Seite stehen werden.

Lasst mich aber bitte kurz „zurückspulen“.

Aus einer vor etwa 15 Jahren „aus Gnade“ in die Abteilung Turnen aufgenommenen „Krabbelgruppe“ hat sich um Petra Vitera eine Mannschaft geformt, die seit ein paar Jahren das Niveau der deutschen Sportakrobatik mitbestimmt. In diesem Jahr - 2014 - stellten die SportakrobatInnen des Dresdner Sportclubs ein Drittel der deutschen Nationalmannschaft, die in Paris zur Weltmeisterschaft an den Start ging….... das war die lange Geschichte.

Die kurze ist…. Training, Training, Training……Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Elemente, Choreografie……ansteigend in Quantität und nötiger Qualität, kleinere und größere vorbereitende Wettkämpfe, Kaderlehrgänge, Schwachstellen erkennen…ausbügeln, täglich… neben Schule, Studium, Bundesfreiwilligendienst, Arbeit…..bis hin zum Tasche packen und „auf geht´s! – Paris, wir kommen.“

Noch am Sonnabend vor der Abreise nach Paris nahmen alle kleinen und großen SportakrobatInnen am Vereinswettkampf teil. Wieder standen die Großen den Kleinen unterstützend, helfend, vorbildwirkend in einem Wettkampf zur Seite, wo jeder sein Können unter Beweis stellen durfte. Die Jüngsten (4 Jahre…) mit einer „MiniÜbung“ – die Großen mit ihrem Originalprogramm für die Weltmeisterschaft. Beifall und Anerkennung gab es für alle, die auf die Matte traten und ihr Bestes gaben. Acht Formationen, von AgeGroup bis Senioren, wurden mit den allerbesten Wünschen von ihren gut hundert Sportkameraden und deren Eltern, Freunden und Bekannten nach Paris verabschiedet (siehe auch www. dsc-sportakrobatik.de).

Ohne Frage ist die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft schon Zeugnis herausragender sportlicher Leistungsfähigkeit – sie bedeutet, zu den allerbesten deutschen SportakrobatInnen in der jeweiligen Altersklasse und Kategorie zu gehören. Allein dafür hat selbstverständlich jeder Teilnehmer unsere allerhöchste Anerkennung. Zu den klar gesteckten „Dresdner Zielen“ gehörte der Einzug ins Finale. Jeder wollte gern zu den besten sechs bzw. acht Nationen gehören, die im Finale noch einmal um Medaillenplätze kämpfen dürfen.

„Welche Erwartungen hast du, habt ihr, haben eure Sportler“, sind wir mitreisenden Fans hin und wieder gefragt worden. „Sie sollen in der Lage sein, ihre Bestform abzurufen. Wir wünschen uns, dass sie ihre Übungen ohne Fehler turnen….“ – „Ist das nicht zu wenig?“, war dann die nächste Frage… Hört sich das wenig an? - Nein, ich denke, dass Höchstform und ein „bombensicherer“ Auftritt die einzige Möglichkeit war, um das Finale erreichen zu können – das Ziel aller Teilnehmer. Insofern lagen unsere Erwartungen mit den sportlichen Zielen unserer deutschen Formationen gleichauf. Dafür haben wir Daumen gedrückt, euphorisch gejubelt, im Fanchor gerufen und angefeuert….. beim Einmarsch auf die Wettkampfmatte ein scheuer Blick nach oben und ein Lächeln, was über die Gesichter der Mädels und Jungs huschte, hat uns bestätigt, wie wichtig dieser Rückhalt auch für die Sportler ist.

Zuviel? Zuwenig? Die Frage hab ich mir tatsächlich manchmal gestellt. Wie sind die Deutschen beim Kampfgericht angekommen? Angesichts kreischender Holländer, laut quiekender Brasilianer und lärmender Weißrussen ein völlig unnützer Gedanke? Könnte man meinen. Wie denkt sich der Gedanke mit den (späteren) Diskussionen um die „Gaucho-Affäre“ unserer FußballWeltmeister?

Es ist mir noch immer verdammt unangenehm, solchen Dingen überhaupt Raum in meinem Kopf zu lassen!

Einerseits genossenen wir (Zuschauer) den völlig ungezwungenen, kameradschaftlichen Umgang der Sportler verschiedenster Nationen, sahen Händeschütteln, Umarmungen, auch gegenseitiges Trösten – ein wohltuendes Gefühl von Gemeinschaft, von Gleichberechtigung, von Fairness und Freundschaft.

Andererseits nahm ich zur Kenntnis, dass deutsche SportakrobatInnen vom internationalen Kampfgericht Wertungen und Sanktionen erfuhren, die nicht durchschaubar oder gar nachvollziehbar waren. Deutsche SportakrobatInnen durchliefen (gefühlt) eine härtere Zäsur als andere Mitbewerber. Es gab Fehler, die ganz offensichtlich nur deutschen Sportlern unterliefen…… gleiche Beobachtungen, gleiche Übungs-Ausführungen bei anderen Nationen „zwinkerte“ das Kampfgericht „liebevoll weg“!

Auf dem Weg von Orlando 2012 nach Paris 2014 sind den deutschen Sportakrobaten deutliche Fortschritte gelungen – sie haben neben den technischen Verbesserungen in der Ausführung der Elemente vor allem an Ausstrahlung, Tanz und Schwung in ihren Choreografien gewonnen – leider schien das internationale Kampfgericht dies mit ganz anderen Augen zu sehen.

Da bleiben jede Menge Fragezeichen in meinem Kopf.

Was ist mit den Fragezeichen im Kopf unserer (deutschen) Sportler? Wer erklärt es ihnen?

Wie sieht die Auswertung des scheidenden Bundestrainers aus? Was gibt er Trainern und Sportlern mit auf den weiteren Weg? Resignation? „..... die Deutschen sind eben nicht so beliebt…..“ Soll das heißen, unsere Kinder trainieren weiter hart…Tag für Tag….um sich in internationalen Vergleichen immer wieder für´s „deutsch-sein“ bestrafen lassen zu müssen?

Diese Fragezeichen lasse ich auch in euren Köpfen zurück… – so einfach ist es eben nicht!

Die Analyse der Weltmeisterschaft und der einzelnen WettkampfÜbungen überlassen wir natürlich den Fachleuten….gern wäre ich da Mäuschen…… (vielleicht kann uns Petra Vitera irgendwann davon berichten).

Lass das Gejammer, könnte jemand sagen, schließlich sind die Deutschen zu dieser Weltmeisterschaft in Paris „rekordverdächtig häufig ins Finale eingezogen“ (siehe akrobastisch.de) …und das es nicht noch zwei Finalplätze mehr wurden, wusste das Kampfgericht („geschickt“) zu verhindern….aber wir wissen doch, „die“ waren trotzdem gut….. doch so einfach ist es nicht.

Lasst uns unsere SportlerInnen feiern!!!

Für vier von acht Dresdner Formationen wurde der Traum vom WM-Finale wahr und deshalb gratulieren wir hier an dieser Stelle noch einmal ganz, ganz herzlich…

…der Herrengruppe (AG 11-16) mit Sebastian Grohmann, Erik Leppuhner, Florian Vitera und Tom Mädler, die im Finale den 6. Platz (von neun Herrengruppen) erkämpfte.

….zu einem hervorragenden 7. Platz, den sich unser Trio (AG 11-16) mit Sarah Arndt, Anika Liebelt und Johanna Schmalfuß im Finale erturnte. Sie mussten sich in einem Feld von 34 Trios aus 21 Nationen behaupten.

….Mara Dittrich und Richard Kretzschmar - unserem kleinen Mixpaar (AG 11-16). Die beiden beendeten den Finalwettkampf auf dem 8. Rang (von 20 Mixpaaren).

….unserem MaxiMixi (Junioren 2): Emilia Winter und Tim Sebastian konnten nach einem superspannenden Vorkampf im Finale den 7. Platz belegen (von 14 Mixpaaren).

Wir können auf unsere Sportler sehr, sehr stolz sein!

Alles andere als „einfach“ hatten es die beiden Formationen, die trotz starker Wettkampfleistungen durch das Kampfgericht so ausgebremst wurden, dass die Chance auf´s Finale um denkbar knappe 15 bzw 35 Hundertstel verpasst wurde.

Das Trio Katharina Bräunlich, Laura Jolitz und Flora Sochor (Junioren 2) präsentierte sowohl die Tempo- als auch die BalanceÜbung so stark, dass der Einzug ins Finale sicher gewesen wäre….

Auch die Herrengruppe (Senioren) mit Tobias Otto, Rico Dietze, Vincent Kühne und Laurin Werner hätte es mit den angebotenen Leistungen in ihren drei Wettkampfübungen ohne den (zweifelhaften) Einsatz des Kampfgerichtes geschafft, im Finale der Weltmeisterschaft zu stehen.

Während bei den Sportlerinnen/Sportlern bereits die Tränen getrocknet, Fassungslosigkeit und Wut verarbeitet waren, haderte der Fanclub noch immer mit diesem „Schicksal“ – diese sieben SportakrobatInnen waren dann schon in der Lage, ihre Übungen kühl zu analysieren und gaben mir zur Kenntnis…. „weißt du, das ist natürlich eine riesengroße Sauerei, ABER wenn wir dort noch besser gestanden oder da noch besser gehalten und hier besser gelandet wären, hätten wir´s trotzdem geschafft!“ – Mir blieb mein „ja, aber…“ im Hals stecken und ich habe den größten Hut gezogen, den ich finden konnte!

Unsere Nesthäkchen, das Herrenpaar Maximilian Dittrich und Tim Kaczmarek (AG 11-16), haben sich auf dieser größten internationalen Bühne ganz wacker geschlagen. Saubere Übungen, keine (großen) Fehler, schöne Choreografien…. mit 10 bzw. 14 Jahren darf man ganz ausdrücklich sehr nervös sein, darf man aber auch für die erbrachte Leistung ganz ausdrücklich unsere Anerkennung in Empfang nehmen…prima Jungs und weiter so!

Unsere großen Mädels, das Trio mit Nora Schäfer, Luise Zscheile und Franca Schamber (Senioren) waren bei dieser Weltmeisterschaft auf Abschiedstour. Ihren letzten gemeinsamen Wettkampf auf so großer Bühne turnen zu dürfen, haben sie sich mit tollen Trainings- und Wettkampfleistungen im Vorfeld der WM hart erarbeitet und verdient!… Nora ging statt zum Studium (in eine andere Stadt) in den Bundesfreiwilligendienst, um das Training mit den Mädels absichern zu können. Luise verschob für das Training manches Seminar oder verlegte das Lernen in die Nachtstunden…das Studium wird ihr ja nicht geschenkt. Franca musste „nur“ immer dann da sein, wenn die Großen in der Turnhalle sein konnten…. Nein!!! – So einfach war das nicht! Aber es hat sich doch gelohnt und die drei haben sich mit einem schönen Wettkampf von ihrer gemeinsamen sportlichen Laufbahn verabschieden können. Wir bedanken uns sehr bei euch!

Überhaupt nicht einfach hatte es unsere Chefin, Petra Vitera, die in beiden Wochen der Weltmeisterschaft nicht nur die Dresdner SportakrobatInnen betreute, sondern auch für alle anderen der deutschen Mannschaft Ansprechpartner war. Sie hatte jede Menge Grund, sich für unsere Sportler zu freuen….Freudensprünge...Freudentränen, aber auch bittere Tränen der Enttäuschung wurden geweint …. Zwei Wochen im Auf und Ab der Gefühle, auch wieder zwei Wochen Lernen und Erfahrungen sammeln…müde und kaputt ist sie nach den beiden Wettkampfwochen Sonntagabend daheim angekommen….und?! …war natürlich am Montag wieder in der Turnhalle…. So einfach ist das!!!

imageBedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei Sabrina Hegele und Sascha Kohn, die in der Weltmeisterschaftswoche der AgeGroups Tag und Nacht und in jeder Angelegenheit Ansprechpartner für SportlerInnen und TrainerInnen waren…. Gut informiert, sehr engagiert, immer freundlich und geduldig….. Alle sprachen mit großer Hochachtung und waren voll des Lobes für ihren Einsatz als Team-Manager und Delegationsleiter.

Ein großes Dankeschön geht auch an Sebastian Schipfel, der allen Daheimgebliebenen die Möglichkeit gab, sowohl die Wettkämpfe, insbesondere das Auftreten der deutschen Mannschaft, als auch das „Drumherum“ auf seiner akrobastisch-Seite zeitnah mit zu erleben. Seine fachlich kompetenten Kommentare waren angenehm durchsetzt von (jederzeit nachvollziehbaren und sehr gewünschten) subjektiven und emotionalen Anmerkungen.

Letzte tolle Meldung aus Paris war die Qualifikation für die European Games 2015 in Baku. Dort dürfen ein Damentrio und ein Mixpaar (Senioren) für Deutschland an den Start gehen (siehe akrobastisch: Baku ist safe!) Wir sind gespannt, wer die Deutsche Sportakrobatik dort vertreten darf, die Wettkämpfe um diese Startplätze werden schon im Herbst 2014 beginnen.

Die Sommerferien haben unsere erfolgreichen…müden… Sportler in die Arme genommen. Wichtige Zeit zur physischen und psychischen Erholung. Zeit für Familie, Zeit für (andere) Hobbys, Zeit zum Bummeln und Verschnaufen…. Aber jeder, der einen Sportakrobaten in den Urlaub entführen durfte, wird diesen nach kürzester Zeit im Handstand stehen oder Radschlagen gesehen haben….

Ganz ohne Turnhalle ist es „eben nicht so einfach“. Das „Leiden“ war kurz, seit einer Woche fließt der Schweiß schon wieder in Strömen… und so dürfen wir uns auf die nächsten Wettkämpfe freuen. Bereits am ersten Septemberwochenende ruft der Internationale Sachsenpokal nach Riesa…

…und dann wird es wieder….. „nicht so einfach sein!“

 

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